Gemeinsames teilen, Verschiedenes feiern – Fest der Vielfalt an der RFS

Alle Blicke richten sich auf die Projektionswand, wo die digitale Atomuhr auf 18:19:00 Uhr springt. Sonnenuntergang. Für fastende Muslime ist dies der Moment, in dem sie ihr Fasten brechen und zum ersten Mal seit dem frühen Morgen wieder essen und trinken. In der Aula neben dem Schulfoyer sind lange Tafeln mit Lichtern und Servietten dekoriert, für die Besucher liegen Datteln bereit, man sitzt beieinander, wartet und unterhält sich.

Es ist Ramadan und gute Tradition an der Robert-Franck-Schule, einmal während dieser dreißig Tage die Schulgemeinschaft zum Fastenbrechen einzuladen. Ungefähr sechzig Besucher sind der Einladung von SMV und Verbindungslehrern gefolgt: Schülerinnen und Schüler vor allem, aber auch Lehrkräfte und etliche Absolventen vergangener Schuljahre, die immer noch untereinander und zur ehemaligen Schule Kontakt halten.

Mittlerweile mäandert eine breite Schlange plaudernder Menschen zum Buffet vor der Aula, wo sich Tische unter der Last mitgebrachter Speisen förmlich biegen: Die Teller füllen sich mit verschiedensten Salaten, Kuchen, Fladenbrot, Teigtaschen, Quarkspeisen und süßen Leckereien. Saft und Wasser stehen bereit, denn auch Anfang März wird ein Tag ohne Flüssigkeit schon zur körperlichen Herausforderung.

Der islamische Fastenmonat wandert alljährlich im Kalender um etwa zehn Tage nach vorn. Im laufenden Jahr führt das zu der Besonderheit, dass die muslimische und die christliche Fastenzeit vor Ostern zusammenfallen. Aus völlig verschiedenen Zusammenhängen heraus nehmen Gläubige beider Religionen diese Zeit zum Anlass, bewusster auf sich und ihre Umwelt zu achten, an sich selbst zu arbeiten und den Mitmenschen aufmerksamer zu begegnen. Yunus Türkmen, Ola Williams und Joudy Almostafa von der SMV beleuchten in kurzen Präsentationen die Bedeutung des Fastens aus islamischer, christlicher und ethischer Sicht. Anschließend bekommt jeder Besucher per Los einen konkreten Fasten-Auftrag, also eine Art Verzichtsprojekt für alles Mögliche, das im Übermaß schädlich ist. Da gibt es etwa Sitzen-Fasten, Dinge-Fasten oder Nach-unten-schauen-Fasten. Ärgern-Fasten geht so: „Schaffst du es, dich eine Woche nicht zu ärgern? – Ärgerst du dich über dich selber? Lächle bewusst, auch wenn du dich nicht danach fühlst. Sei nicht so streng mit dir. – Ärgerst du dich über andere? Versuche die Situation aus der Perspektive des anderen zu betrachten.“

Der Perspektivwechsel gelingt an diesem Abend auch ganz ohne Ärger. „Vielfalt verbindet“ hatten die vorab ausgehängten Bekanntmachungen im Schulhaus behauptet. Im gemeinsamen Essen und Feiern spricht sich dieses Verbunden-Sein fast schon als Selbstverständlichkeit aus.